Reise-Bericht Guinea 2.1. bis 26.1.2020


Meine Reise erfolgt im Rahmen des medizinischen Einsatzes unseres Partner-Vereins „Mango e.V.“. Ich begleite das 1. Team als Chirurg für einen dreiwöchigen Aufenthalt in Koolo Hinde. Im Vorfeld hat der Verein Sundjata in Deutschland als Vorbereitung der Reise und aus Anlass des Welt-Behinderten-Tages 2019 (3.12.2019) eine Sammlung von Hilfsmitteln für gehbehinderte Menschen in Guinea durchgeführt. Durch Spenden des Flüchtlingsvereins in Bonn-Endenich und der Fa. Reininger in Frankfurt am Main sowie durch zahlreiche Einzelspenden konnten wir in den Container des Vereins Mango unsere fast 20 Rollstühle, Rollatoren, zahlreiche Gehstützen und andere Hilfsmittel, eine Nähmaschine und einen Herd laden. Der Container verließ am 18.11.2019 Frankfurt, wurde verschifft und kam am 22.12.2019 in Conakry, der Haupt- und Hafenstadt von Guinea an.

Frankfurt/M.-Paris-Conakry: 11,5 Std. Flugzeit

Unsere Flugreise am 2.1.20 beginnt wie immer vormittags mit Ziel Paris, wo die Frankfurter Gruppe auf die Mithelfer aus München (Allgäu) und Berlin (Chemnitz) trifft und in die Air France-Maschine nach Guinea umsteigt. Die anfangs 12-köpfige Gruppe kommt mit Verspätung über Freetown (Sierra Leone) in Conakry an und muss sich zunächst um jenes Gepäck kümmern, welches nicht ausgeladen wurde und wieder nach Paris zurückgeflogen ist.

Die Ankunft im Hotel ist entsprechend spät und die Nacht bis zur Weiterfahrt am nächsten Morgen relativ kurz. Den Transfer-Transport von Conakry nach Koolo Hinde (ca.400 km) übernimmt wie immer die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland) mit drei Pickups. Routinierte Fahrer bringen uns sicher die beschwerliche Strecke nach über 10 Stunden ans Ziel.

Chaos auf der N1 von Conakry ins Landesinnere

Die Arbeit von Mango in dem kleinen Ort Koolo Hinde im Kreis Dabola besteht aus dem Unterhalt eines chirurgischen Behandlungszentrums, welches dem örtlichen „Poste de Santé“ benachbart ist. Es müssen aus dem großen Andrang der Patienten diejenigen ausgesucht werden, die operiert werden können. Täglich finden dann allgemeinchirurgische und Gynäkologische Operationen statt. Der Nachschub der notwendigen Materialen erfolgt mit regelmäßigen Containerlieferungen.

Operation im OP-Zentrum von Koolo Hinde

Da unser Container aus unerklärlichen Gründen den Hafen nicht verlassen konnte, bis entsprechende Verhandlungen mit Zollbehörden, Einschalten von Ministerien und Zahlung unverständlicher Gebühren erfolgten, traten langsam Versorgungsschwierigkeiten auf.

Mit 3 Wochen Verspätung kommt der Container in Koolo Hinde an!

Erst am allerletzten Tag unseres Aufenthaltes trifft der Container ein und kann von unserem Team mit Hilfe der Bevölkerung wenigstens noch entladen werden.

Alle helfen mit, bis der Container leer ist!

Zwei nicht vorhersehbare Ereignisse verhindern einen ansonsten rundum erfolgreichen Einsatz: Erstens werden die politischen Konflikte in Guinea schärfer. Der amtierende Präsident Alpha Condé will eine dritte Amtsperiode durch Verfassungsänderung erzwingen. Die dazu notwendigen Wahlen sind zum 16. Februar angesetzt, mittlerweile auf den 1. März verschoben. Nun gibt es zunehmend Demonstrationen und gewaltsame Auseinandersetzungen. Das führt dazu, dass die GIZ uns nicht zum vereinbarten Termin in Koolo Hinde abholen kann und ein Privatunternehmen organisiert werden muss, damit wir noch rechtzeitig zum Abflug wieder in Conakry sind.

Der guineische Zollbeamte beim Interpretieren des Ministererlasses

Zweitens stellt sich der örtliche Zollbeamte, der zum Entladen des Containers anwesend sein muss und erst um 22.00 Uhr erscheint, quer und verhindert, dass wir die gespendeten Hilfsmittel von Sundjata nicht wieder nach Conakry zurückschicken können, um sie dort – wie vorgesehen – an die Cité de Solidarité zu übergeben. Das ist umso schlimmer, da wir eine größere Veranstaltung mit offiziellen Vertretern und Presse vorbereitet hatten. Dazu kommt die Schwierigkeit, die Sachen nun auf anderem Wege an den Bestimmungsort zu transportieren. Weiterhin erschwert wird unsere Lage durch den Umstand, dass die Zuspitzung der Lage in Guinea den Einsatz der beiden geplanten nachfolgenden Teams von Mango verunmöglicht.

Zum Abschluss ein Dankes-Konzert mit Tanzparty

Als Vertreter von Sundjata-Deutschland kann ich am letzten Tag noch in Conakry zahlreiche Gespräche mit unseren Partnern in Guinea, besonders mit Kadiatou und Boubacar mit Issa zur Lösung der anstehenden Probleme führen, sodass die Übergabe unserer Rollstühle und der anderen Hilfsmittel zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Trotz allem können wir – wie geplant – das Spendengeld von 650.000 Franc Guinée (entspricht 65 €) an die Familie in Koolo Hinde weiterleiten, die zwei Töchter hat, von denen eines im Rollstuhl sitzt. Das Geld ist dafür vorgesehen, der Familie den notwendigen Schulbesuch der beiden Töchter für ein Jahr zu ermöglichen. Wir werden über beide Projekte weiter berichten.

Der Verein Sundjata e.V. dankt allen Spendern und helfenden Händen, die das alles ermöglicht haben. Dem Verein Mango e.V. danken wir für die Unterstützung beim Transport und den zahlreichen organisatorischen Schwierigkeiten Vorort.

Rödermark, den 3.2.2020 Franz-Ferdinand Henrich

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