Geschichte und Geschichten

Vom Außenseiter zum König

Die Geschichte Sundjata Keïtas erzählt von Ausgrenzung, Mut und außergewöhnlicher Stärke. Bis heute prägen sein Leben, das Mandingo-Epos und die mündlichen Überlieferungen das kulturelle Erbe Westafrikas.

Wahre Geschichten und Legenden über Sundjata

Sundjata Keita war der Begründer des malischen Imperiums im 13. Jahtrhundert. Es erstreckte sich im Mittelalter über weite Teile Westafrikas und bestand über 300 Jahre. Auch wenn es nur mündlich überliefert ist, so ist doch belegt, dass dieser König wirklich gelebt hat. Und nicht nur das: er stand sogar Pate für das weltbekannte Musical „König der Löwen“.

Kaum jemand weiß jedoch, dass SUNDJATA Keita mit einem Handicap geboren wurde. Bis zu seinem siebten Lebensjahr konnte er nicht laufen, nicht sprechen und bewegte sich auf allen Vieren fort.

Djibril Tamsir Niane, Historiker aus Guinea (1932 in Conakry geboren), hat als erster die Geschichte Sundjatas so niedergeschrieben, wie sie ihm ein GRIOT, ein Chronist, Dichter und Sänger aus Guinea überlieferte. Der Griot hieß Djeli Mamoudou Kouyaté. Es ist die Geschichte über den mit einer Behinderung geborenen Sohn der zweiten Frau von Maghan Kon Fatta, eines malischen Stammesführers und Königs, eine seit Generationen weitergegebene mündliche Überlieferung.

Die erste Frau des Königs, Sassouma, wie auch das Volk setzten der nach der Überlieferung der hässlichen und ungeliebten Mutter, Sogolon, und ihrem behinderten Sohn zu, sodass beide nach des Königs Tod ins Exil ins Ghana-Reich flohen. Jedoch wollte Sundjata dies nicht auf sich ruhen lassen. Er begann fortwährend an sich zu arbeiten. Dank seines starken Willens gelang es ihm zunächst, sich mit Hilfe eines Eisenstabes aufzurichten. Die Legende erzählt, dass der Stab sich, sobald Sundjata stand, in einen kraftvollen Bogen verwandelte! Er gelangte zu Ruhm und Ansehen im Exil.  Als es seinem Volk, den Mandinka, schlecht ging, machte es sich auf die Suche nach Sundjata, um ihn um Hilfe und seine Unterstützung zu bitten. Sundjata war bereit, sich für sein Volk als Befreier einzusetzen. Er besiegte seinen Kontrahenten und begründete das malische Imperium, dessen “Mansa”, König der Könige er wurde. Er verstand, es das Imperium zu sichern, indem er Handel bis ins heutige Europa trieb, und 12 weitere Königreiche unter sich zu vereinen.

Sundjata (“Sohn des Löwen”) ist ein Kultur Held und zeigt eindrucksvoll, wie man durch das Überwinden extremer Widrigkeiten wahre Größe erreichen kann. Diese Geschichte ist 1984 erstmalig auf Deutsch in einem kleinen Reklambuch veröffentlicht worden:

Historische Zusammenhänge:

Wer mehr über die Geschichte Afrikas erfahren möchte, sollte das Buch der sudanesisch-britischen Schriftstellerin ZEINAB BADAWI lesen, 2024 im Piper-Verlag auf Deutsch erschienen:

„Eine afrikanische Geschichte Afrikas – Vom Ursprung der Menschheit bis zur Unabhängigkeit“ (orig.: An African History of Africa, WH Allen 2024)

Hierin ist die Geschichte Sundjatas und des malischen Königreiches eingebettet in die Geschichte anderer großer afrikanischer Königreiche.

Zeinab Badawi berichtet außerdem über eine Seite der Herrschaft von Sundjata, die im „Mandingo-Epos“ im ober erwähnten Reklamheft nicht zur Sprache kommt: „Er war ein gerechter Herrscher und legte gesellschaftliche und politische Normen in einer Proklamation von Rechten fest, der „Manden-Charta“ von 1236. Dabei handelt es sich um eine mündliche Charta, die allen Bürgern Malis „Freiheit, Würde und Gleichheit“ garantierte und die Grundlage für die Herrschaft Sundiatas über seine Untertanen bildete….  Tatsächlich hat die UNESCO die Manden-Charta von Sundiata Keϊta als Teil des „immateriellen Kulturerbes“ der Menschheit anerkannt.“

und wurde 2009 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.